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Sveti Petar u Šumi

Ora et labora

Sveti Petar u Šumi wurde nach dem Benediktinerkloster benannt, das in den historischen Dokumenten zum ersten Mal 1174 erwähnt wird, mit einem unklaren Vermerk, dass es schon fünfzig Jahre besteht. Im Unterschied zu anderen Ortschaften und Städten Istriens, wo sich die
Siedlungen um die Kirche und den Glockenturm auf Hügeln bilden, standen die Häuser in Sv. Petar u Šumi weder um die Kirche noch um das Kloster. Die Einwohner bewohnten weiterliegende Weiler, zerstreut entlang der bebauten Felder, Weinbauflächen und Roterde-Karsttäler. Gleich wie heute.

Die Legenden besagen, dass der ungarische König Salomon (+1089) nach dynastischen Konflikten und seiner Entthronung in Sv. Petar u Šumi verweilte. Das Kloster steht auch in Verbindung mit der albertinischen Linie der Grafen von Görz, die von 13 bis 15 Jh. in Pazin residierten und dessen Familiengrabstätten sich angeblich im Kloster in Sv. Petar u Šumi befinden, welches sie regelmäßig unterstützt haben.

Aus der Benediktinerzeit wurde nur ein lateinisches, in karolingischer Minuskel (Carolina) geschriebenes Buch aus Ende XI oder Beginn XII Jh. aufbewahren. Aus dieser Zeit stammt auch „Supetarski ulomak„ – ein Steinfragment mit Inschrift in glagolitischer und kyrillischer Schrift – ein Nachweis dafür, dass damals alle drei Schriften verwendet wurden.

Paulinerkloster

Als das Interesse an dem Benediktinerorden verging und das Kloster verlassen wurde, übergab es Kaiser Friedrich III. 1459 an die Pauliner – weiße Mönche, die das Kloster wieder aufgebaut haben. Interessanterweise resultierte die Einrichtung des Klosters in neuen Renaissancesäulen im Erdgeschoß und alten romanischen Säulen im Obergeschoss.

Die Klosterkirche der Heiligen Peter und Pavel (3 wurde von den Paulinern im gotischen Stil erneuert. Im Uskokenkrieg 1616 wurde das Kloster verbrannt und teilweise niedergerissen, und sein Wiederaufbau begann Mitte XVII Jh. In seinem Werk „Die Ehre dess Herzogtums Crain„ (Slava Vojvodine Kranjske) (1689) legt Johann Weichard von Valvasor dem Kloster keine besondere Wichtigkeit bei, es wird nur die Seltenheit erwähnt, wie in der Klosterkirche nie eine Spinne erblickt wurde.

1755 wurde die Kirche wieder geweiht, nachdem sie mit der heutigen barocken Fassade ausgestattet wurde. Im selben Stil, der in Istrien sehr selten ist, wurde auch der Kircheninnenraum ausgestattet. Alle Altare sowie der Predigerstand, Orgelgehäuse und die Statuen an der Kirchenfassade wurden vom Pauliner Pavao Riedl hergestellt. Sein Mitarbeiter, der damalige Verwalter des Klosterbesitzes, Leopold Keckheisen ist der Autor aller Altarbilder in der Kirche. Ihre Kunst wurde auch weiter erkannt, so haben sie auch andere Kirchen und Kloster ausgestattet und bemalen (Pazin, Senj, Punat, Crikvenica).

Zwei Seitenkapellen (erste links und erste rechts) sind teilweise heute noch mit den damals verlegten Ledertapeten bekleidet, was eine richtige Rarität ist. Hoch liegende Fenster und das System der Kreuz- und Tonnengewölben schaffen spezielle Lichteffekte. Diese barocke Atmosphäre in der Kirche wurde um 1770 durch die Orgelklänge des Leibacher Orgelbauers Johan Georg Eisl bereichert.

Neben all diesem Reichtum, ohnegleichen in ganz Istrien, ist das Wallfahrtsmotiv nach wie vor das Gnadenbild der Mutter Gottes Tschenstochau, das auch heute am Hauptaltar steht. Dieses Bild wurde von einem unbekannten Pauliner-Maler nach dem Vorbild der Ikone der
Schwarzen Madonna von der Tchenstochau geschaffen, welche sich im größten polnischen Marienheiligtum Jasna Gora (Tschenstochau) befindet. Laut Aussagen und offiziellen Aufzeichnungen zahlreicher Zeugen goss das Gnadenbild von Sv. Petar u Šumi Tränen am Heilligen Abend 1721. In den folgenden Jahren wurden im Bischofsarchiv und in den Klosterakten zahlreiche wundertätige Genesungen dokumentiert, was Sv. Petar u Šumi zu einem Wallfahrtsort machte.

Als Kaiser Joseph II. 1783 viele Kirchenorden in den österreichischen Ländern aufhob, wurde das Kloster zum Staatsgut, und die Bücher aus der Klosterbibliothek durch öffentliche Versteigerung verkauft. Der bekannte Pauliner-Sammelband aus 1644, ein Manuskript mit niedergeschriebenen Noten vieler einstimmiger kirchlicher und geistiger Lieder in kroatischer Sprache, stammt aus dieser Bibliothek. Die Paulinerkirche des Heiligen Peters wurde somit zur Pfarrkirche und bewahrte dadurch ihre Schönheit bis in die Gegenwart. Die bisherige Pfarrkirche des Heiligen Roko, die heute noch das größte Steinziegeldach in Istrien trägt– wurde zur Friedhofskirche.

1993 wurde die Pfarre nach vielen Jahren wieder von den Pauliner übernommen, die auch heutzutage für das geistige Leben der Einwohner von Sv. Petar u Šumi sorgen.

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