Lebendes Kreuz in Lindar

„Lebendes Kreuz in Lindar" Branko Fučić:. Danica-6, S. 81-86, 1951 (Buchstelle)

Unter den vielen mittelalterlichen Denkmälern der Wandmalerei in Istrien lenkt kaum bekanntes Werk an der Wand der Kapelle St. Katharina in Lindar die Aufmerksamkeit auf sich. Und seine malerische Qualitäten und seine Inhalte ist das Besondere im Erbe unserer kulturellen und künstlerischen Vergangenheit.

Obwohl mittlere Figur auf diesem Bild Christus am Kreuz gekreuzigt vorstellt, zeigt es nicht die Kreuzigung in solcher Form, in welcher wir auf den Bildern in unseren Kirchen zu sehen gewohnt sind. In Lindar wird nicht die Kreuzigung als historisches Ereignis auf dem Kalvarienberg dargestellt, wo im Moment des Todes Christi, unter dem Kreuz sieht man Mutter Gottes, Johannes, Frauen, Juden und Soldaten.

Der Kerngedanke des Lindarer Gemäldes wurde von Erlösung Opfer Christi gedacht.Von diesem zentralen Gedanken, der vom Kreuz auf Kalvaria geht, entwickelt und führt eine Reihe von miteinander verbundenen Wahrheiten des Glaubens, der christlichen Lehren, fromme Betrachtungen, theologische Anschauungen und Vergleiche, die die Kunst auf der künstlichen Weise dargestellt hat. Also dieses Bild beschreibt nicht den historischen Moment der Kreuzigung, sondern interpretiert auf eine bildliche Weise dieses Ergebnis. Alles was man im Mittelalter glaubte, lernte, bedachte und auf einen Gedanken in Verbindung mit dem Opfer Christi am Kreuz als das wichtigste Ereignis in der Geschichte des Heils kam, befindet sich auf diesem Bild. Das, was hier wichtig ist, ist es ein Gedanke. Sie steht hinter allem, was wir auf dem Bild sehen: jede Person, jeder Sache, dient als Symbol, als Symbol der Ideen.

Horizontal Schlingerlinie, die die Wolken bezeichnet, teilt das Bild in den Himmel und die Erde (1). Hier wollte der Maler gleichzeitig und parallel, was los im Himmel ist, und das was los auf der Erde ist. So stellten die Schauspieler auf der Bühne - auf zwei Etagen zur gleichen Zeit - die Ereignisse auf der Erde und im Himmel vor.

Sehen wir, wie im Himmel (2) gezeigt wird! Wie eine einseitige Theaterdekorationen, dort wurden Mauern der Stadt gemalt, Mauern "himmlischen Jerusalem „was man im übertragenen Sinne das Paradies bezeichnen wollte. Über die Mauern kann man die Baumkronen sehen, auf ihnen das goldene Obst: So wird selbst durch des Malers Phantasie Glanz und Annehmlichkeit der ewige Reich der Seligen dargestellt. Wahrscheinlich in dieser Bäume des himmlischen Paradieses versteckte Vergleich, der dem irdischen Paradies und der verbotenen Frucht anspielt. Hier sind auch zwei Engel: mit verschränkten Armen beobachten, wie Gott-Vater (3), beugte sich über den Mauern des himmlischen Jerusalem, schaut auf die Erde und mit dem ausgestreckten Arm segnet und nimmt versöhnliches Opfer am Kreuz an.

Und unten auf der Erde - wie auf der niedrigeren Etage der Bühne – steht das Kreuz. Auf ihm hängt gekreuzigten Christus (4), tot, mit geschlossenen Augen,mit gesenktem kopf: das Werk der Erlösung ist schon beendet.

Die riesige Arme des Kreuzes ist auf allen vier Seiten als Verstärkung bereitgestellt und sie halten und verbinden die einzelnen Figuren,die der Künstler auf der Oberfläche des Bildes geteilt. Alle vier Arme des Kreuzes sind an den Enden die Arme, wobei jeder Arm - und als lebendig ist - etwas macht. Deswegen wird diese Erscheinung „Lebendes Kreuz „genannt.

So bricht die Handdes Unterschenkels mit einem Hammer die Tür des Purgatoriums auf (5), und die Hand des Oberschenkels öffnet mit einem großen Schlüssel die Tür des himmlischen Jerusalem (6).

Auf so eine einfache und naive Weise wollte der Maler seine Idee ausdrücken, dass der Tod von Christus am Kreuz versöhnte das Menschengeschlecht mit Gott, brachte die Seele des Gerechten des Alten Testaments hinaus, die im Purgatorium wartete und öffnete das Paradies .

Der Maler hatte sich das Purgatorium (7) als Rundturm vorstellen. Auf dem Bild war sie wie ein Fass ohne oberen Boden. Die Seelen sind in ihr die kleinen nackten menschlichen Figuren, die die Teufel bewahren. Ein haariger Teufel wirft mit einem Pfeil und Bogen den Arm, der die Tür aufbricht.

Zur gleichen Zeit setzt der Arm von dem linken Schenkel (dem Zuschauer rechts) ein Schwert in den Kopf der Frau, die auf einem Esel (8) reitet, und die Hand von dem rechten Schenkel (dem Zuschauer links) segnet eine andere Frau, die gekrönt wurde (9). Das bedeutete, dass mit dem Opfer Christi am Kreuz das Alte Testament endete und begann das Neue. Das Alte Testament zeigt Synagoge, das Neue die Kirche. Die beide stellt sich der Maler als Frau.

Die Synagoge (8) hat die Augen verbunden: das ist das Judentum, dieim geistigen Sinne blind war, und blieb blind. Es hat in Christus den gelobten Messias nicht gesehen, widersetzend sich starkköpfig, wie ein störrischer Esel, auf dem die Synagoge reitet, es hat seine Lehren abgelehnt.

Die Synagoge hält in einer Hand den Speer, auf dem eine Fahne mit dem Bild des Skorpions ist, in anderer Hand hält sie einen jungen Bock.

Alles, was in dieser Ansicht ist, hat malerische und symbolische Bedeutung, so auch die Figuren vom Skorpion und Bock. Skorpion ist ein Zeichen der Finsternis und Laster (hier denkt man auf die Synagoge der Schriftsteller und Pharisäer) und der Bock steht den Blutopfern des Alten Testaments vor.

Die Hand von dem Kreuz tötet Synagoge, sie wurde abgeworfen, weil sie jeden Sinn für das Überleben verloren hatte. Ihr Leben ist abgeschlossen. Das neue Leben derchristlichen Kirche beginnt, die die Kirche aller Nationen und Zeiten ist. (9)als“ Braut Christus“ gekrönt - und heilige (hat einen Heiligenschein, heilige Kreis um ihren Kopf).Die Hand vom Kreuz segnet sie.

Die Kirche tragen vier apokalyptische Tiere, die die Zeichen der vier Evangelisten (10) sind. Das sind ein Löwe von St. Markus, ein Ochs von St. Lukas, ein Engel von St. Matthäus und ein Adler von St. Johannes. Die Kirche kniet auf dem Rücken, was bedeutet, dass die Evangelien ihre Gründe sind. Kniend auf sie, zeigt sie mit dem Finger gekreuzigten Christus, und in der anderen Hand anstatt das Speere hält sie das Kreuz , auf dem die Flagge ist ,wieder mit dem Zeichen des Kreuzes. Und hier liest man eine Gedanke: Es ist die Kirche, die sich immer auf Christus verweist und zeigt den Weg zum Heil.

Während der Maler auf die Flagge der Synagoge den Skorpion setzt, zeichnete auf der Flagge der Kirche Zeichen des Kreuzes, christliches Zeichen des Sieges.

Das ist der Inhalt von "Lebendes Kreuz", ist es eine Sammlung der wichtigsten Themen dieser alten mittelalterlichen spekulative Erscheinung. Aber auf der Lindarer Malerei gibt es noch einige Personen um das Kreuz, die in Verbindung mit der Kreuzigung sind und die ihre eigene Bedeutung haben. Die Maler stellten oft über dem Kreuz eine Figur des Engels und des Teufels, der Engel auf der rechten Seite (dem Zuschauer auf der linken Seite (11), und der Teufel auf der linken Seite des Kreuzes (dem Zuschauer nach rechts (12). Wenn die Maler ihre Kalvarien darstellen, auf der Christus wurde zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt, holt dann der Engel die Seele eines guten Räubers ab, der nach der Christi Versprechung gerettet wurde, und der Teufel trägt die Seele dieses unbereuten. Aber auch auf der Erscheinung ohne Räuber- und so ist dieser in Lindar - beide melden sich.

Der Engel auf Lindarer Figur trägt in den Händen der Festung, der Teufel weht durch zwei Trompeten Christi. Wahrscheinlich die Bedeutung dieser Zeichen inspiriert göttliche Emotion des Mittelalters, die mit der Figur des Teufels wollte, Widerstand und Kampf des Hölle gegen Erlösung, so würde teuflisches Trompetenblasen Belästigung bedeuten, und der Engel und eine uneinnehmbare Festung in seiner Hand himmlischen Trost und Kraft. Vorstellung der Teufel als der Vierbeiner, geflügeltes Tier mit langen Schwanz ist Malers Nachsinn, das einfach fantastisch die ganze Widerwärtigkeit im stacheligen Ungeheuer verkörpert hat. Ob das Ekelhafte noch größer wäre, hat dargestellt - ganz in der mittelalterlichen Vorstellung, wie unter den Ziegenschwanz die Winde hinausgehen.

Die Figur des St. Katharina (13), das linke Seite des Bildes, gehört überhaupt nicht der Gedanke des „Lebendes Kreuz“. Sie kommt als Ergänzung, natürlich, nach dem Wunsch der Einwohner von Lindar , die das Bild bestellten, das ist wegen einer Kapelle, die dieser Heilige gewidmet ist. Aber - obwohl sie schon eine Zulage dem abgerundeten vollständigen Gedanken ist - hat der Maler perfekt in den Plan der anderen Figuren eingesetzt. Hier sindalle Figuren richtig geordnet, symmetrisch um das Kreuz, so dass jede Figur auf einer Seite entspricht der Figur auf der anderen Seite. Wenn wir diese Anordnung (Komposition) mit der Wage vergleichen, auf der Christus in der Mitte ist, wäre diese Wage in völliges Gleichgewicht.

Das Ziel dieser Symmetrie ist nicht nur in kompositorischem Gleichgewicht und Festigkeit, es nimmt einen Teil des Ausdrucks, in der Regel einer mittelalterlichen Denkweise und Reihenfolge der Begriffe. Symmetrisch jeder Begriff hat seinen Gegenbegriff. Auch diePosition der Figuren um das Kreuz ist nicht zufällig: alle, was gut ist, hat um das Kreuz auf der rechten eingestuft worden, und alles, was das Böse repräsentiert, stellte um das Kreuz auf der linken Seite. Auf dem Bild, auf drei Stellen neben dem Kreuz sieht man aufwickelte, weißen Wulste auf denen die Überschriften waren.

Im Laufe der Zeit die Überschriften so erschöpft und verblasst wurden,heute kann kaum lesen, nur teilweise. Sie wurden in glagolitischen geschrieben, in unserer nationalen Schrift, in der zu dieser Zeit slawische Priesterschaft geschrieben hatte. So auf einem Wulste über dem Purgatorium wurde die Zeit in Glagoliza notiert, als die Bilder gemalt wurden. Das ist das Jahr 1409 (14)

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Branko Fučić


Ana Androšić, Lindar br. 3, tel. 052 640 006

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